AMSTERDAM (Noord-Holland, Niederlande)

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QUINTESSENZ


Amsterdam ist eine meiner liebsten Städte, Punkt. Sie ist prachtvoll mit ihren Altbauten, den Grachten und den vielen Cafés, und die Leute dort wirken sehr freundlich und entspannt. Ich weiß nicht, in welche Richtung es sich beeinflusst hat: ob die generelle holländische Toleranz auf die Drogen-Liberalität, oder umgekehrt. Aber wenn es eine Stadt gäbe, in die ich ohne nachzudenken hinziehen würde, dann ist es diese gemütliche und romantische Metropole. Jeder spricht davon, wie romantisch es ist, die Straßen von Paris entlang zu schlendern. Aber ich glaube, dass diese Leute noch nie wirklich in Amsterdam gewesen sind. Paris ist monumental, ganz toll und so, aber die Menge an Stein fühlt sich für mich mehr nach Trutzburg an. Amsterdam hingegen ist schmal, charmant und bezaubernd. Sie ist das Neuschwanstein der Städte und blieb glücklicherweise im Zweiten Weltkrieg weitestgehend heile.

Amsterdam war immer die größte Stadt in den Niederlanden und wurde 1983 die holländische Hauptstadt. Mit 838.338 Einwohnern ist sie nur die 41-größte Stadt Europas, kleiner noch als Neapel, Marseille, Stockholm, Birmingham, Köln, Prag oder Brüssel. Dennoch ist sie wie jede Hauptstadt das kulturelle Zentrum der Niederlande, wobei Rotterdam wegen Europas größtem Hafen kommerziell wichter geworden ist. Dennoch kann man Konzerte der größten Stars, beliebte Musicals und extravagante Museen hier erwarten. Jemand Lust auf Marihuana-, Sex- oder Folter-Museum?

 

Amsterdam Centraal, Hauptbahnhof, central train station

 

ANKUNFT IN AMSTERDAM


Amsterdam Centraal ist groß und alt. Der Hauptbahnhof wurde 1889 eröffnet, auch wenn man es ihm innen kaum ansieht. Die Gänge sind nicht sehr einladend und meist so gedrängt, dass man das Gebäude gerne verlässt. Wenn man erst mal draußen ist, kann man die gotische bzw. Renaissance-Fassade aus Backstein sehen. Du solltest dir mal dieses Bild von1890 auf Wikipedia ansehen.

Der Hauptbahnhof von Amsterdam liegt am nördlichen Ende der Innenstadt. Zuerst muss man den eher hässlichen Bahnhofsvorplatz Stationsplein überqueeren. Glücklicherweise schafft man das in 30 Sekunden. Wenn man erst die Bus-
und Straßenbahnstationen hinter sich gelassen hat, erreicht man eine große Kreuzung. And hier fängt deine Amsterdam-Glückseligkeit endlich an – und dauert hoffentlich deinen ganzen Aufenthalt lang an. Aber du musst eine Entscheidung treffen: Willst du südlich (geradeaus) durch die Einkaufsstraßen gehen oder willst du durch die nicht ganz so kommerziellen Straßen im Osten (links)?

Selbstverständlich kannst du eigentlich auch nach Westen, aber so interessant ist es dort nicht, außer für einen Sapziergang entlang der Grachten (die die ganze Innenstadt umspannen). Oder du nimmst eine der kostenlosen Fähren in die nördlichen Vororte, was wiederum interessanter ist.

Falls du lieber mit dem Auto nach Amsterdam fährst, so ist es empfehlenswert, außerhalb zu parken und reinzufahren (P+R oder park and ride). In den engen Straßen Amsterdam zu fahren, ist nervig und wegen der vielen Fahrräder womöglich gefährlich. Außerdem kosten Parkplätze im Zentrum ein Vermögen. In der Innenstadt wird man ohnehin fast alles erlaufen – außer man mietet sich ein Fahhrad. Ich habe noch so gut wie keine Straßenbahnen oder Busse in Amsterdam benutzt.

 

Keisergracht und Westerkerk in Amsterdam

 


DAS EINKAUFENDE HERZ


Die einfachste Entscheidung ist, einfach geradeaus durch die breitere Einkaufsallee Damrak ins Stadtzentrum zu gehen. Aber die mag ich nicht so sehr wie die schmalere Fußgängerzahle westlich. Die Einkaufsstraße Nieuwendijk verläuft parallel zu Damrak, westlich oder rechts, wenn man vom Hauptbahnhof kommt. Zuerst gelangt man zu einigen Imbissen, aber auch manchen touristischen Headshops (Rauchzubehör), Coffeeshops (Verkauf von Marihuana) und Smartshops (sämtliche legale Substanzen, auch Pilze). Falls du es nicht zwingend eilig hast, etwas zu kaufen, würde ich vorschlagen, etwas zu warten. Die Preise sind fast überall sonst in der Stadt günstiger.

Schnell wird Nieuwendijk zu einer gewöhnlichen Einkaufsstraße mit vielen Bekleidungsläden, Einzelhandelsketten und einigen Käseläden – du weißt schon: Gouda, Edamer, Maasdamer, Leerdamer. Was den Deutschen ihr Brot und den Amerikanern ihr Barbeque, das ist den Holländern ihr Käse. Die Antje und so…

Sowohl Damrak und Nieuwendijk führen zu Amsterdams zentralen Platz: Dam. Dort stehen so große und bedeutende Gebäude wie der Königliche Palast, die Nieuwe Kerk, das herrliche ehemalige Postamt Magna Plaza hinterm Palast sowie das Nationaldenkmal. Aber auch Madame Tussauds, falls dich das mehr als mich interessiert.

Zum Anne-Frank-Haus muss man ebenfalls am Dam westwärts abbiegen. Nach drei Grachten stößt man auf die Westerkerk und direkt dahinter (nördlich) befindet sich das Anne-Frank-Museum.

Um den Einkauf fortzusetzen, überquert man Dam einfach und geht weiter südwärts. Es ist ungefähr dieselbe Distanz vom Bahnhof bis Dam wie von Dam zum Ende der Einkaufsstraße. Am Platz Muntplain, welcher an der südöstlichen Spitze der Einkaufsstraße auf die erste Gracht triff, beginnt schließlich der berühmte schwimmende Blumenmarkt.

Ich schlage vor, dass du nach 200 Metern südlich vom Dam von der Einkaufsstraße wegbummelst und die nächsten Seitenstraßen westlich davon erkundest. Der Begijnhof ist interessant anzusehen und auf dem Platz Spui gibt es einige nette Café und Kneipen, wo man einen Imbiss zu sich nehmen kann. Meine Empfehlung ist das Lokal De Brabantse Aap. Nicht unbedingt nur, weil die Getränke oder das Essen nett sind, sondern insbesondere wegen seiner Lage. Wenn das Wetter schön ist und man draußen einen Tisch erwischt, hat man Blick auf die Alte Lutheranerkirche, die Gracht Singel, welche bis 1585 als Festungsgraben diente, und zudem auch die neogotische Kirche De Krijtberg auf der anderen Seite der Gracht. Bedauerlicherweise fährt eine Straßenbahnlinie direkt vor dem Lokal entlang.

 

 
Damrak und Prins Hendrikkade in Amsterdam

DER ÖSTLICHE TEIL DER INNENSTADT


Falls du nicht so am Einkaufen interessiert bist – wer kann dir das verübeln? –, dann empfehle ich dir, am Hauptbahnhof nach Osten (links) abzubiegen. Dann geht man über die Brücke und in die Gasse Nieuwebrugsteeg (das ist die kleine Gasse in der Mitte des oberen Fotos). Dort kannst du dir aussuchen, welche Straße du nach Süden (rechts) nimmst. Die erste, Warmoesstraat, ist eine der ältesten in Amsterdam und beheimatet einige Kneipen, einige schwule Lederbars und einige Boutiqueläden. Die zweite,Oudezijds Voorburgwal entlang einer Gracht, weist mehr Kneipen, Restaurants, Coffeeshops, die Oude Kerk sowie viele Sexshops auf. Das berühmt-berüchtigte Rotlichtviertel Amsterdams beginn hier, ist aber noch einschlägiger am nächsten Kanal Richtung Osten, dem Oudezijds Achterburgwal. Falls du halbnackte Frauen in Fenstern sehen (oder treffen) möchtest, sollst du dorthin gehen.

Meine Empfehlung ist es jedoch, keinen dieser Wege zu nehmen, sondern durch das Sträßchen Zeedijk nördlich, dann östlich vom Nieuwebrugsteeg zu gehen (dazu musst du links am rot-weißen Haus in der Mitte des Fotos vorbeigehen). Dort kommt man an vielen netten Kneipen, Restaurants und am goldenen buddhistischen He-Hua-Tempel vorbei, welcher ein unerwarteter Zwischenstopp ist. Am Ende von Zeedijk gelangt man auf den Nieuwmarkt, einen großen Platz mit vielen Kneipen, Restaurants und dem Gebäude der ehemaligen Stadtwaage, welches wie eine kleine Festung aussieht. Falls du Glück hast, findet gerade eine Lebensmittel- oder Flohmarkt auf dem Neumarkt statt.

 

 
breite Gracht mit Booten in Amsterdam

WATERLOOPLEIN


Verlässt man den Nieuwmarkt südlich durch die Sint Antoniesbreestraat, gelangt man zum Rembrandthaus, wo der berühmte holländische Maler jahrzehntelang gelebt und gearbeitet hat. Es ist heutzutage ein Museum und du darfst raten, über wen.

Direkt hinter dem Rembrandthaus befindet sich der Platz Waterlooplein mit dem berühmtesten Flohmarkt. Der ist auch irgendwie touristisch, aber es macht viel Spaß ihn zu durchstöbern. Jeder sollte etwas finden, ohne dass er nicht mehr gehen mag. Ich habe dort mal ein süßes und buntes T-Shirt mit aufgenähtem Fuchs samt Knopfnase gekauft.
Ich wünschte, ich wäre damals nicht so sparsam gewesen und hätte mir noch ein anderes Tier-T-Shirt gekauft.

Der Freiluftbazar besteht aus etwa 300 Ständen mit neuer und gebrauchter Kleidung, einigen Antiquitäten, aber auch Ramsch und Sonderbares. Der Flohmarkt findet fast jeden Tag außer sonntags statt – obwohl viele Geschäfte in den Niederlanden auch sonntags geöffnet haben. Falls du unglücklicherweise an einem Sonntag vorbeikommst, gibt es keinen Grund zur Verzweiflung! Spring einfach in die Filiale des Second-Hand-Ladens Episode am westlichen Ende der Waterlooplain.

 


SITZEN ERÖFFNET NEUE PERSPEKTIVEN


Wie ich schon bezüglich Spui sagte, ist es auch nett, sich in ein Café mit Aussicht zu setzen. Jene entlang der Singel sind womöglich die schöneren, besonders im nördlichen Abschnitt, zum Beispiel an der breitesten Fußgängerbrücke Torensluis. Denk dran, dass ohnehin fast alles gut zu Fuß zu erreichen ist. Andererseits gibt es fast überall schöne Cafés. Schau dich einfach um.

Falls du noch immer am Blumenmarkt bist, geh einfach zur nächsten südlichen Straße, der Reguliersdwarsstraat. Die ist gesäumt von schicken Cafés und Bars – viele davon schwul-lesbisch, aber heterofreundlich. 😉

 

Bäckerei De Laatste Kruimel in Amsterdam

 

Meine Lieblingsbäckerei und Café ist das winzige De Laatste Kruimel nur wenige Schritte östlich von Spui. Es liegt ein bisschen versteckt im Langebrugsteeg 4. Aber sobald man die Kuchen, Pasteten und Quiches im Schaufenster sieht, fühlt man sich wie im Gebäckhimmel. Stell dir eine Gebäckversion der Chocolaterie im Film „Chocolat“ vor. Du wirst das Bedürfnis reinzugehen und dann die Qual der Wahl spüren. Wie ich schon schrieb, ist es winzig, aber sehr charmant, trotz oder wegen seiner Notbehelfseinrichtung aus Euro-Paletten und Kisten mit Kissen. Es wird vermutlich belebt sein, aber glaube mir, dass man nicht allzu lange auf einen freien Platz warten muss. Und wenn du wirklich Glück hast, kannst du einen Platz auf dem winzigsten Balkon über der kleinen Gracht Grimburgwal ergattern. Ungefähr 5 oder 6 Leute passen auf den dreieckigen Außenbereich.

 

Balkon von De Laatste Kruimel und Gracht Grimburgwal mit Boot

 
Nun musst du das vollständige Foto des De-Laatste-Kruimel-Balkons und dessen Aussicht ertragen.

 

Balkon der Bäckerei und Café De Laatste Kruimel oberhalb der Gracht Grimburgwal in Amsterdam
 


WAS MAN SONST NOCH TUN KANN?


Eine Menge! Falls du an Kunst interessiert bist, wirst du viele Ateliers und einige wichtige Museen finden. Das historische Amsterdam-Museum befindet sich direkt im Zentrum nördlich von Spui und Begijnhof. Im Süden des Stadtzentrums liegt die Museumplein mit dem Rijksmuseum und dem Van-Gogh-Museum für die eher klassischen Meister sowie das Stedelijk-Museum für moderne Kunst. Im Osten gibt es auch das NEMO-Wissenschaftsmuseum. Ganz zu schweigen vom Marihuana-, Sex- oder Folter-Museum.

An einem schönen Tag möchtest du bestimmt viel Zeit draußen verbringen, also geh doch südöstlich zum königlichen Zoo ARTIS und dem botanischen Garten. Übrigens gibt es doch einen Tip für den Nordwesten, nämlich die Westergasfabriek, ein ehemaliges Gaswerk, wo heute Bars und ein Kino angesiedelt sind. Ein größerer Park liegt direkt daneben.

Und wenn die Nacht hereinbricht, willst du sie wahrscheinlich in einer der vielen Bars, in einem Theater oder einer Aufführung verbringen. Oder bei einem Konzert im wunderschönen Saal Paradiso, welcher einmal eine Kirche war und 1967 von Hippies besetzt wurde. Falls dir der Sinn nach Kino steht, musst du beachten, dass viele Filme im Original mit niederländischen Untertiteln gezeigt werden. Du müsstest also schauen, ob du einen Film in einer Sprache findest, die du verstehst. Das Kino, wo man unbedingt hingehen muss, ist das Tuschinski nur 50 Meter vom Muntplein und dem Blumenmarkt entfernt. Für mich ist das Tuschinski (Foto weiter unten) eines der eindrucksvollsten Gebäude in Amsterdam. Die seltene und wunderbare Mischung aus Amsterdamer Schule, Jugendstil und Art déco zeigt sich außen wie innen. Ich bewundere es jedes Mal, wenn ich davor stehe oder ins Foyer gehe.

 

Mühle Molen de Otter im Westen Amsterdams
 


EMPFEHLUNG


Es gibt unglaublich viel in Amsterdam zu erkundschaften und fast jede Ecke im Zentrum ist alt und hübsch. Meine Empfehlung ist, nachts mit dem Fahrrad durch die Grachten und Gassen zu fahren. Für gewöhnlich ist es ziemlich ruhig um diese Zeit und sehr, sehr romantisch.

Falls du dort hinziehen möchtest, solltest du eine Arbeit finden, die genug Geld einbringt, denn die Mieten in Amsterdam sind ziemlich teuer. Aber wer wird sich beschweren, wen man in einer hinreißenden Stadt in einem hübschen Altbau leben kann?

 


KARTE


 


WEITERE FOTOS


Westerdokstraat in Amsterdam Imbissstand Butch & Dutch Worst Hauptbahnhof Amsterdam Centraal & Stationsplein a canal in Amsterdam eine Gracht in Amsterdam zum Sonnenuntergang Montelbaanstoren, Gracht in Amsterdam

Kino Tuschinski in Amsterdamschöne Beurspassage in Amsterdameine sonnige Gasse in AmsterdamKneipe De Sluyswacht in AmsterdamSint Nicolaaskerk in Amsterdam

 

 

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